conversation XLIII


Quentin Lannes (*1989, lebt in Genf) im Gespräch mit Adrien Guillet (*1986, lebt in Paris)

Forms & Forces

Die Künstler Quentin Lannes und Adrien Guillet verbindet das Interesse für die visuelle Präsenz kultureller Artefakte, für die Wiederholung, ja die andauernde Wiederaufführung von Symbolen, Gesten oder Formen. Ihre künstlerische Praxis speist sich dabei nicht nur aus der Aneignung bestehender kultureller Zeichen, sondern gründet wesentlich auf den Strategien der Reinterpretation und Rekontextualisierung von gefundenen Materialien. Von Textfragmenten, alltäglichen Konsum- und Gebrauchsgegenständen oder Bildern. Im Rückgriff auf ihre jeweiligen Archive eröffnen sie im Rahmen von Le Foyer eine Form von 'ikonologischem Dialog'. Dieser erlaubt sowohl einen Einblick in die von Lannes und Guillet verfolgten Methodologien des Sammelns und thematisiert zugleich ihr Spiel mit der Appropriation, mit dem Zitieren aber auch dem Unterschlagen von kulturellen Bildern und Symbolen.

Freitag, 13 März 2015, 19h, Gespräch in Englisch

Plattform 15, EWZ-Unterwerk, Selnaustrasse 25, 8001 Zürich

 Foto: Adrien Guillet,
http://one-one.tumblr.com/

conversation XLII


27.2. Benoît Maire (*1978, lives in Paris) in conversation with Daniel C. Barber (Philosopher, fellow at the ICI Berlin, author of Deleuze and the Naming of God and On Diaspora, 2011)



One with no mediation


The activities of French artist, philosopher and curator Benoît Maire are situated in between artistic research practices and philosophical considerations − transforming postmodern theory into possible concrete forms is part of his investigations. He often approaches the physical world with odd measuring instruments and small tools called weapons, or creates sculptural situations. Currently his work is part of the exhibition UnendlicheBibliothek at the Alte Fabrik Rapperswil (until 29.3.).

At Le Foyer, Benôit Maire and philosopher Daniel C. Barber, whose current work is on the logic of conversion, will discuss the question What’s a decision? in a performative setting. The artist’s hybrid objects will function as mediating tools during the conversation, which will question his personal system of decided objects (from transformed materials) and waste (undecided pieces, residue from decisions, indexed by a word or a sticker), the distinction of an object from discard as well as the reuse of materials in a general sense. The discursive arrangement at Le Foyer might lead to a discussion, or perhaps end up in just a situation.


Friday February 27th 2015 7.30 pm. Talk in English.

 Benoît Maire, Letre, detail of the installation, 2014. 
(photo: Sven Laurent)

conversation XLI


Trix Barmettler (*1972, CH, Grafikerin und Künstlerin, Zürich) und Christian Waldvogel (*1971, USA, Künstler, Zürich) im Gespräch mit Marc Badertscher (*1968, CH, Historiker und Journalist, Handelszeitung, Zürich)

'entunion'

Welche Konsequenzen resultieren aus vielteiligen Systemen? In welchem Verhältnis stehen Einzelteile zum grossen Ganzen, ein Mikrokosmos zum Makrokosmos? Welche Möglichkeiten ergeben sich aus dem Blick aufs Detail oder aber aufs Ganze? Wie verhalten sich Kontrolle, Zufall und individuelle Freiheit zueinander? Und wie äussern sich solche Aspekte in Bezug auf eine künstlerische oder gestalterische Praxis, auf kollaborative Strategien, aber auch auf einer gesellschaftlichen Ebene?
Diese Fragestellungen bilden den Ausgangspunkt des Gesprächs von Trix Barmettler, Christian Waldvogel und Marc Badertscher, das anlässlich des dreiwöchigen Gastspiels von pointless act bei Réunion stattfindet (21.11.–12.12.). In diesem Projekt lässt Trix Barmettler, neben ihrer Tätigkeit als Grafikerin, seit 2009 aus tausenden von gewöhnlichen Klebepunkten in tagelanger additiver Feinarbeit grossformatige Konstellationen entstehen – der langsame, quasi-organische Wachstumsprozess ist dabei ein Kerngedanke. Christian Waldvogel thematisiert dagegen Fragen nach dem grossen Ganzen im äusserst Kleinen, wenn er zum Beispiel im grossen Saal des Helmhaus Zürich mit 96 Billionen Cyanobakterien die Urerde simuliert. Marc Badertscher beschäftigt sich als Journalist mit dem Begriffspaar zentral – dezentral im Zusammenhang mit der digitalen Währung Bitcoin, hinter der im Gegensatz zu herkömmlichen Währungen keine Zentralbank steht.

Freitag, 28. November 2014, 18.15 Uhr 

conversation XL


Karin Lehmann (*1982, CH, lebt und arbeitet in Bern) im Gespräch mit Nadine Wietlisbach (*1982, Kuratorin, lebt und arbeitet in Luzern und anderswo)


Blue Rock Shop oder pockenverseuchte Permafrostleichen – über Versuche im Atelier und deren sprachliche Ausformung


Die Faszination für bestimmte Eigenschaften von Materialien treibt die Künstlerin Karin Lehmann um. In ihrem Atelier experimentiert sie mit Gips, Ton, Cyanotypieflüssigkeit, Rote Bete-Saft oder Schokolade. Dabei schafft sie Versuchsanordnungen, die manchmal in ganz anderen Dingen resultieren, als ursprünglich intendiert. Im Gespräch mit Nadine Wietlisbach denkt sie im Le Foyer über das Potential von derartigen Zufällen und von vermeintlich missglückten Versuchen nach. 


Dienstag, 7. Oktober 2014, 19h 

 Karin Lehmann, Beetroot (2013), Detail/ Installationsansicht: Centre Pasquart, Biel

conversation XXXVIX


3.9. Julia Geröcs (*1978, HU, lebt und arbeitet in Zürich) im Gespräch mit Daniel Morgenthaler (*1978, CH, Kurator am Helmhaus Zürich, lebt und arbeitet in Zürich)  

Kunst ohne Vernissagen 


Die Fragen nach der gesellschaftlichen Bedeutung von Kunst und dem ihr mitunter eingeschriebenen Potential zur Visualisierung von gesellschaftlichen Distinktionen und Macht treiben die Künstlerin Julia Geröcs um. Performative Strategien stehen im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit. Sie interessiert sich sich für das Format der Vernissage, die als Verdichtungsmoment einer auf Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit bedachten Kunstwelt bezeichnet werden kann. Im Gespräch mit dem Kurator Daniel Morgenthaler denkt sie bei Le Foyer über die der Vernissage anhaftenden Aspekte der Inszenierung nach und fragt nach den Möglichkeiten einer Ausstellung, ja einer Kunst, ohne Vernissage. 

Der Dialog zwischen Julia Geröcs und Daniel Morgenthaler ist das Resultat einer Le Foyer-Veranstaltung vom Mai 2014, im Rahmen derer die Künstlerin Anja Schori und der Art Director Lukas Mettler unter dem Titel WHO’S NEXT? gemeinsam mit dem Publikum nach den drängenden Themen in der heutigen Kunstwelt suchten und die nächsten Gesprächsgäste bestimmten. 

Mittwoch, 3. September 2014, 19h

exhibition / Viktor Korol & Tom Senn


Viktor Korol (*1978, CH, lebt und arbeitet in Basel) / Tom Senn (*1976, CH, lebt und arbeitet in Basel)

270714

Ausgehend von den Mitteln, Verfahren und Entwicklungen der Malerei enden die Arbeitsprozesse von Viktor Korol (*1978) und Tom Senn (*1976) selten in einer bemalten Leinwand. Vielmehr setzen sich die Künstler experimentell über vermeintliche Gattungsgrenzen hinweg und teilen die Vorliebe für einfache, improvisiert wirkende Materialien oder gefundene Gegenstände. Während Viktor Korol gelegentlich auch Kaugummi einsetzt und seine ungegenständlichen Arbeiten immer wieder überarbeitet, überklebt, Farbschichten wieder abschabt oder zum Schnitt ansetzt, kombiniert Tom Senn meist ausrangierte Objekte zu Assemblagen, denen eine Eigendynamik innewohnt.
Die Arbeitsprozesse der Künstler, in denen Dazwischenliegendes, Vorläufiges und das latente Potential zur Weiterentwicklung mitspielen, bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung 270814. Dazu nutzten die Künstler den Raum, den sich Le Foyer mit anderen Akteuren unter dem Namen Réunion teilt, vor der Ausstellung als temporäres Atelier. Sie brachten Material, aber auch angefangene Arbeiten mit und erprobten ihre Verfahren auf neue Möglichkeiten hin. Dabei setzten sie sich mit der Architektur des Ortes auseinander, verwendeten mit einem ungeöffne-ten, von einer Reise mitgebrachten Paket, Stoffen und silbrigem Klebeband ungewohnte Materialien oder griffen auf Techniken wie Nähen oder Glasmalerei zurück. Der Titel 270814 bezeichnet ganz nüchtern das Datum der Vernissage, also derjenige Zeitpunkt, an dem die ortsspezifischen Arbeitsprozesse vorläufig, zumindest für die Dauer der Ausstellung, abgeschlossen sind.

Viktor Korol, geboren 1978, lebt und arbeitet in Basel. Er studierte an der HGK Basel. Einzelausstellungen: To the People of New York City, Schwarzwaldallee, Basel, 2013. Gruppenausstellungen (Auswahl): Melancholie Studio, Villa Renata, Basel, 2014; within the horizon of the object, Ausstellungsraum Klingental, Basel, 2013; the work found me, Galerie Samy Abraham, Paris, 2013; Viktor Korol & Tom Senn, Lagerhaus, St.Gallen, 2013; Plattform10, ewz-Unterwerk Selnau, Zürich, 2012; Voyage au bout de la nuit, Kunstverein Heidelberg, 2011. Atelierstipendium Basel, Paris, 2011; Stipendium GGG Atelierhaus, Basel, 2011–2013.

Tom Senn, geboren 1976, lebt und arbeitet in Basel. Er studierte an der HGK Basel. Einzelausstellungen (Auswahl): Pleasure Grounds, museümli, Buchs, 2012; Mumbo Jumbo, dock, Basel, 2012; Arten statt warten, Artachment, Basel, 2010. Gruppenausstellungen (Auswahl): Melancholie Studio, Villa Renata, Basel, 2014, Me you‘nd you, OG9, Zürich, 2013; Give Me Shelter, GGG Atelierhaus, Basel, 2013; Viktor Korol & Tom Senn, Lagerhaus, St.Gallen, 2013; La premère fois, Kunsthalle Mulhouse, 2008. Stipendium GGG Atelierhaus, Basel, 2013–2014.

Vernissage
Mittwoch, 27. August 2014, 18h

Ausstellung
28. August – 13. September 2014

Öffnungszeiten
Donnerstag, 28. August, 16h – 20h
Freitag, 16h – 20h, Samstag, 14h – 18h
und auf Anfrage


Fotografie: Tom Senn